Cannabidiol (CBD) realistische Hoffnung bei Reizdarmsyndrom

Das Reizdarmsyndrom ist eine weltweit häufig vorkommende Erkrankung mit multifaktorieller Pathogenese. Eine große Rolle spielt die Darm-Gehirn-Achse und obwohl die Darm-Gehirn-Achse in beide Richtungen verändert sein kann, scheinen Veränderungen vom Darm zum Gehirn bedeutender zu sein. CBD verspricht Hilfe über die Stimulation von Endocannabinoiden.

 

Darm Gehirn Achse

 

Gehirn und Darm kommunizieren und reagieren eng und wechselseitig miteinander, hierbei haben sich die Begriffe Gehirn-Darm-Achse, aber auch Darm-Gehirn-Achse durchgesetzt. Es wird angenommen, dass Veränderungen dieser Achse eine entscheidende Rolle beim Reizdarmsyndrom zukommt.



Es ist wissenschaftlich belegt,  dass Gefühle die Magenfunktion verändern können, ebenso, dass psychischer Stress die Darmfunktion beeinflussen kann.Die Begriffe funktionelle gastrointestinale Erkrankung, Reizdarm oder Reizmagen und somatoforme autonome Funktionsstörung des oberen / unteren Verdauungssystems werden je nach Fachrichtung gebraucht, zielen aber auf die gleichen Krankheitsbilder ab. Eine Entgleisung des Gleichgewichts dieser Gehirn-Darm-Achse wird als zumindest mitverursachend für Erkrankungen wie Autismus, bipolare Störung oder Alkoholabusus, Lebererkrankungen und eben auch chronisch entzündliche Darmerkrankungen angenommen. Interessanterweise legt eine Studie nahe, dass bei den meisten Reizdarmpatienten die Darm-Gehirn-Achse von Darm und Dingen die Einfluss auf den Darm nehmen nach zentral zum Nervensystem hin verändert ist und sich psychische Anpassungen / Störungen später entwickeln.

Reizdarmsyndrom

  • Typ I: Diarrhoe dominant; Durchfälle sind das vorherrschende Problem.
  • Typ II: Obstipation dominant; Patienten dieses Typs leiden am meisten unter Verstopfung
  • Typ III: Diarrhoe und Obstipation im Wechsel; Die Betroffenen haben abwechselnd mit Durchfall und Verstopfung zu kämpfen.
  • Typ IV: Meteorismus /Schmerz dominant; Die Kennzeichen dieses Typs sind vermehrte Gasbildung ohne wesentlichen Abgang der Darmgase, Blähungen und Schmerzen.

 

Das Reizdarmsyndrom betrifft ca.15% der europäischen Bevölkerung.

Dieses ist charakterisiert durch chronische anhaltende Bauchbeschwerden, die von Patient und Arzt auf den Darm bezogen werden.

 

Ausgeschlossen werden sollten:

 

  • endokrine Erkrankungen
  • Zöliakie oder Glutenintoleranz
  • Laktoseintoleranz
  • Fruktoseintoleranz
  • Morbus Crohn
  • Colitis ulcerosa
  • Clostridien-Kolitis
  • Medikamentöse Auslöser (bspw. Antibiotika)
  • Ischämische Darmerkrankungen
  • eine Strahlenenteritis
  • Mikroskopische Kolitis
  • Lymphozytäre Kolitis
  • Ischämische Kolitis
  • paradoxe Diarrhö bei Kolonkarzinom
  • bei Kindern finden sich manchmal Unverträglichkeiten von Zuckeraustauschstoffen

 

Therapieverfahren

  • Psychotherapie und Antidepressiva
  • Probiotika
  • Psychotherapie und Entspannungsverfahren
  • Akupunktur
  • Phytotherapie

Die Bedeutung des Endocannabinoidsystems für das Reizdarmsyndrom

 

Das endocannabinoide System ist an der Regulation zahlreicher gastrointestinaler Funktionen beteiligt, einschließlich Beweglichkeit (Motitlität), Empfindung und Sekretion unter physiologischen und pathophysiologischen Bedingungen. Die Aktivierung von Cannabinoid CB 1 und CB2 Rezeptoren reduziert die Motilität, begrenzt die Sekretion und verringert die Überempfindlichkeit im Darm. Cannabinoidrezeptoren befinden sich auf cholinergen Neuronen im Hirnstamm, im Magen und im Dickdarm. Zubereitungen aus Cannabis wurden traditionell verwendet, um eine Vielzahl von  Magen-Darm-Beschwerden zu behandeln, beispielsweise Infektionen und entzündliche Zustände, Störungen der Motilität, Erbrechen und Bauchschmerzen.



CBD hat nur wenig Bindung an die CB1- oder CB2-Cannabinoid-Rezeptoren.Stattdessen stimuliert CBD indirekt endogenen Cannabinoide durch Unterdrücken der Fettsäureamid-Hydroxylase, das Enzym, das Anandamid abbaut.

Anandamid ist eine endogene Cannabinoid-Verbindung, die die CB1 aktiviert. Weniger dieses Enzyms bedeutet mehr Anandamid, es bleibt länger im Körper. Mehr Anandamid bedeutet mehr CB1-Stimulation. CBD stimuliert auch die Freisetzung von 2-AG, ein wichtiges endogenes Cannabinoid Verbindung sowohl  an den CB1 als auch CB2-Rezeptoren.

Eine amerikanische Pharmafirma entwickelte und testete ein Kaugummi mit 50mg CBD pro Dosis und maximal 6 Dosen pro Tag als erfolgreich im Einsatz gegen Reizdarm symptomatik.

 

 

Ist CBD frei erhältlich?

 

CBD kann als Arzneimittel von einem Arzt verschrieben und als Rezepturarzneimittel über

die Apotheke bezogen werden. Es ist kein Betäubungsmittelrezept nötig, da CBD nicht im

Betäubungsmittelgesetz aufgeführt wird. Auch als Rezepturarzneimittel wird es nicht automatisch von der Krankenkasse erstattet und sollte auf Privatrezept verordnet werden. Im Rahmen einer Einzelfallprüfung ist ein Antrag auf Kostenerstattung dann aber im Nachhinein möglich und sinnvoll.

Darüber hinaus gibt es auf dem deutschen Markt CBD-haltige Hanföle, die mit einem THC-Gehalt von unter 0,2% als Lebensmittel oder Kosmetik legal verkauft werden. Diese Präparate dürfen nicht als Medizin verkauft oder beworben werden, auch wenn sie eine medizinische Wirkung haben. CBD-haltige Hanföle sind nicht zu verwechseln mit stark THC-haltigem illegalem Cannabisöl.

Möglich ist auch die Selbstherstellung von Tees, Ölen, Cremes oder Zäpfchen aus frei erwerblichen Hanfblüten, hier sollte auf einwandfreie Qualität und einen hohen CBD Gehalt geachtet werden.

Alkoholische CBD Tinktur/ CBD Öl selbst herstellen

Öliges CBD Extrakt mit Olivenöl – Herstellung

 

Hinweise:

Es ist definitiv wichtig anzumerken, dass CBD  durch Cytochrome abgebaut wird. Hierdurch entstehen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Auch Gendefekte im Bereich der Cytochrome können die Dosisverträglichkeit von CBD beeinflussen. Gleichzeitige Anwendung von CYP3A4-Hemmern (z. B Ketoconazol, Itraconazol, Ritonavir oder Clarithromycin) kann zur Erhöhung des Cannabidiolspiegels führen. Gleichzeitige Anwendung von CYP3A4-Induktoren (z. B. Rifampicin, Carbamazepin, Phenytoin, Phenobarbital oder Johanniskraut) kann zur Senkung des Cannabidiolspiegels führen.

Bei gleichzeitiger Einnahme von CBD können Medikamente, auch verstärkt wirken. Hierzu zählen etwa Pantoprazol, Clobazam (CYP2C19),Ondansetron und Risperidon (CYP2D6).

Während der Schwangerschaft sollte CBD nicht eingenommen werden.

Weitere Informationen zu CBD findest du auch hier:

ADHS, ist CBD Öl eine Alternative?

Hilfe durch Hanf – CBD bei Fibromyalgie

Quellen:

https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/html/10.1055/s-0036-1593500#N65838

https://link.springer.com/article/10.1007/s11894-015-0429-1

https://www.karger.com/Article/PDF/339072

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3316151/

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1038/sj.bjp.0706710/full

https://globenewswire.com/news-release/2017/01/18/906670/0/en/AXIM-Biotech-Enters-IBS-Clinical-Trial-for-CanChew-CBD-Chewing-Gum.html

https://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT03003260

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21803011