Darmgesundheit, Probiotika bei Histaminintoleranz

Probiotika und fermentierte Produkte erhalten die Gesundheit, dies gilt bedingt auch bei Histaminunverträglichkeit – gewusst wie.

Was ist Histaminunverträglichkeit

Eine Reihe von Mechanismen werden als Ursache der Histaminintoleranz diskutiert Im Fokus steht das Enzym DAO, welches Histamin aus der Nahrung abbaut. Die Produktion der DAO kann unter anderem durch unterschiedliche Einflüsse vermindert sein:

 

  • Schädigung der Enterozyten bei gastrointestinalen Erkrankungen
  • Hemmung durch andere bio-gene Amine
  • Hemmung durch Alkohol, schwarzen Tee
  • Hemmung durch Medikamente
  • Mangel an den Kofaktoren der DAO:  Vitamin B6, Kupfer und Vitamin C
  • verschiedene Polymorphismen der DAO

 

Auch Polymorphismen und Beeinträchtigungen der Enzyme MAO-B und HTNM können bei der Histaminintoleranz beteiligt sein.

Allerdings geht man heute bereits weiter und teilt in drei Gruppen ein:

  • Überschuss an Histamin im Körper, bei normaler Enzymaktivität
  • Enzymatische Störungen beim Histaminabbau
  • Veränderungen an den Histaminrezeptoren

Weiterführende Informationen hierzu hier

Symptome

Häufig klagen Patienten über Kopfschmerzen, Fließschnupfen, Flushs, Hautjucken, Diarrhö, Tachykardien oder Arrhythmien, die vornehmlich nach dem Verzehr bestimmter Nahrungsmittel auftreten.

Haut

  • Flush
  • Urticaria
  • Juckreiz

Gastrointestinaltrakt

  • Nausea/Vomitus
  • Bauchschmerzen
  • Meteorismus
  • Diarrhöen

zentrales Nervensystem

  • Kopfschmerzen
  • Schwindel

kardiovaskuläres System

  • Hypotonie
  • Tachykardie
  • Herzrhythmusstörungen

Atemwege

  • nasale Obstruktion
  • Fließschnupfen

Urogenitaltrakt

  • Dysmenorrhoe

 

Rolle von Darm und Probiotika

“Alles Übel wohnt im Darm” erkannte bereits Hippokrates. Heute weiss man, dass der Darm über viele Verbindungen mit dem Nervensystem, dem Immunsystem, dem Hormonsystem und den Entgiftungssystemen des Köpers sehr entscheidend verbunden ist. Die Gesundheit, beziehungsweise auch die mikrobielle Besiedelung des Darms entscheiden über Gesundheit und Wohlbefinden oder Krankheit und Unwohlsein. Daher gibt es zahlreiche Empfehlungen den Darm und seine Darmflora positiv zu beeinflussen. Ein historisches Mittel waren fermentierte Produkte wie Sauerkraut, Kefir, Joghurt, saure Bohnen, Brottrunk um nur einige bekannte zu nennen. Solche Produkte sind jedoch bei Histaminintoleranz sehr problematisch, da die Besiedlung mit Bakterien nicht kontrolliert ist. So können beispielsweise Lactobacillus bulgaricus, Lactobacillus casei, oder Lactobacillus delbrueckii an dem Prozess beteiligt sein und nach im Fermentationsprozess erhebliche Mengen Histamin und anderer biogener Amine wie Tyramin produzieren. Von daher sind wild fermentierte Lebensmittel für Personen mit Histaminintoleranz mehr als kritisch. Aber auch in der Lebensmittelproduktion und in manchen Probiotika werden viele Bakterienstämme eingesetzt, die Histamin produzieren und deren Verzehr somit entsprechende gesundheitliche Beeinträchtigungen und Gefahren mit sich bringt.

Aber das heisst nicht, dass sie ganz auf die Vorteile von Probiotika gänzlich verzichten müssen.

Auf die Auswahl der Bakterienstämme kommt es an. Insbesondere nach Antibiosen, die zum einen die Darmflora nachhaltig schädigen, zum anderen je nach Medikament die DAO hemmen und somit eine Histaminintoleranz verschlimmern oder auch hervorrufen können, ist eine Darmbehandlung in Erwägung zu ziehen, wie auch nach bakteriellen Infektionen des Magendarmtrakts.

Darm und Gehirn eine Allianz, unterstützt oder gestört durch Bakterien

Abzuraten ist von folgenden Bakterienstämmen:

  1. Lactobacillus bulgaricus
  2. Lactobacillus buchneri
  3. Lactobacillus casei
  4. Lactobacillus delbrueckii
  5. Lactobacillus curvatus,
  6. Lactobacillus reuteri*
  7. Staphylococcus carnosus
  8. Streptococcus thermophilus
  9. Lactobacillus alimentarius
  10. Lactobacillus brevis
  11. Lactobacillus helveticus
  12. Lactobacillus hilgardii

 

* über Lactobacillus reuteri gibt es unterschiedliche Ausführungen, zwar erhöht dieser Histamin, dieses wird jedoch wiederum zu einer entzündungshemmenden Substanz umgewandelt, was positiv zu bewerten ist. Aus diesem Grunde wird er in einigen Quellen durchaus empfohlen.


1 Verwendet bei der Herstellung von Joghurt
2 Verwendet bei der Herstellung von Brot und Wein
3 Bedeutung vor allem bei der Herstellung von Hartkäse und Schnittkäse
4 Verwendet bei der Herstellung von Milchprodukten und einigen Biersorten (Berliner Weisse)
5 Verwendet bei der Herstellung von Hartkäse
6 Verwendet bei der Herstellung von Sauerteig
7 Verwendet bei der Rohwurstreifung und Käseherstellung
8 Verwendet bei der Herstellung von Joghurt
9 Verwendet bei der Herstellung von Fisch- und Wurstprodukten
10 Verwendet bei der Herstellung von Brot, Käse und Gemüse
11 Verwendet bei der Herstellung von Käse und Gemüse
12 Verwendet bei der Herstellung von Wein und Schokolade

 

Histamin senkende Bakterienstämme:

  1. Bifidobacterium infantis
  2. Lactobacillus gasseri
  3. Lactobacillus rhamnosus
  4. Bifidobacterium longum
  5. Lactobacillus plantarum
  6. Bifidobacterium breve
  7. Lactobacillus salivarius

1 Verwendung in Milchprodukten
2 Verwendung in Milchprodukten und Sauerteigbrot
3 Verwendung in der Herstellung von Fleisch, Gemüse, Sauerteig und Käse
4 Verwendung in der Herstellung von Milchprodukten
5 Verwendung in der Herstellung von Käse, Wurst, Gemüse und Schokolade
6 Verwendung zur Fermentation von Milch und Sojaprodukten
7 Verwendung in der Herstellung von Milchprodukten

Neutral

  1. Lactobacillus acidophilus
  2. Lactococcus Lactis

1 Verwendung in der Herstellung von Gemüse und Joghurt
2 Verwendung in der Herstellung von Buttermilch und Schokolade

 

Allein Wikipedia nennt bereits 301 verschiedene Bakterienarten, die bei der Herstellung von Lebensmitteln verwendet werden. Nicht alle sind in Bezug auf Histamin und andere biogene Amine bereits erforscht. Daher kann hier in Bezug auf Lebensmittel nur ein sehr kleiner Überblick gegeben werden. Aber es soll im Schwerpunkt ja auch um Probiotika gehen. Daher im folgenden ein Überblick über die histaminsenkenden Bakterienstämme und ihre gesundheitlichen Vorteile.

 

Bifidobacterium infantis

  • Bifidobacterium infantis 35624 zeigte sich hilfreich beim Reizdarmsyndrom
  • Wirksam bei infektiöser Enteritis von Neugeborenen
  • Erhöht die Darmbarriere Funktion
  • Verschiedene Studien deuten auf antidepressive Wirkung
  • Antitumor Effekte wurden nachgewiesen
  • Antiinflammatorische Effekte in Vivo nachgewiesen

Lactobacillus gasseri

  • Wirksamkeit gegen Helicobacter Pylori
  • G2055 zeigte sich hilfreich bei Übergewicht, erhöhtem Bauchfett und bietet somit Unterstützung zur Vorbeugung des metabolischen Syndroms
  • Antientzündliche Effekte bei Colitis
  • In Kombination mit anderen Probiotika wurde nachgewiesen, dass die Dauer und Schwere von Erkältungskrankheiten nach 3 monatiger Einnahme reduziert wird, also eine Stimmulation des Immunsystems auftritt
  • Hemmt krankheitserregende Bakterien aus der Nahrung

Lactobacillus rhamnosus

  • Oral angewandt verändert er die Vaginalflora und hilft gegen krankheitserregende Bakterien und Hefen
  • Positiver Effekt auf die Zahngesundheit im Langzeitgebrauch bei jungen Kindern
  • Antiinflammatorische Wirkungen

Lactobacillus plantarum

  • Senkt den Cholesterinspiegel
  • Reduziert die Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen

Bifidobacterium breve

  • Immunstimmulierend
  • Beugt Übergewicht und Insulinresistenz vor

Lactobacillus salivarius

  • Antibakterielle Wirkungen gegen Magen-Darm-Infektionen, insbesondere auch Salmonellen
  • Hemmt Campylobacter
  • Antientzündlich bei Colitis

Es macht also durchaus Sinn nicht auf die Vorteile von Probiotika zu verzichten, sondern diese bei Histaminintoleranz mit Bedacht ausgewählt gezielt einzusetzen.

Quellen

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