Erst Dauerbrenner, dann Burnout – Nebennierenschwäche und Cortisolmangel

Cortisol und Nebennierenschwäche – ein Hauptdarsteller, wenn es um Östrogendominanz, Autoimmongeschehen, Schilddrüsenerkrankungenen, und viele andere Leiden geht

Cortisol ist ein in den Nebennieren gebildetes Hormon. Es spielt im Körper eine entscheidende Rolle, insbesondere bei der Bewältigung von Stress. Cortisol ist an der Kontrolle von Entzündungsreaktionen und der Modulierung des Blutzuckerspiegels beteiligt.

In akuten Stresssituationen schützt es den Körper durch:

  • Drosseln der Immunabwehr
  • Bereitstellung von Energie (erhöhter Blutzucker) in Zusammenarbeit mit Insulin
  • Engstellung der Gefäße und Erhöhung des Blutdrucks
  • Herabsetzung des Schmerzempfindens
  • Stimulierung des Gehirns insbesondere der Aufmerksamkeit

Durch einen Kreislauf der Rückkopplung ist die Nebennierenrinde mit dem Hormonsystem verbunden. Über die Nebennieren – Hypophysen – Hypokampus – Achse wird gesteuert, wie viel Hormone im Körper gebraucht werden. Aber genau dieser Kreislauf kann entgleisen und zum Teufelskreislauf werden.

Chronischer Stress erschöpft die Nebennieren und Cortisol

Dauerhafte Stressbelastungen führen zu einer Entgleisung des Cortisolspiegels und dessen zunächst dauerhaften Erhöhung. Besteht dies über einen längeren Zeitraum führt es bereits zu gesundheitlichen Problemen ( ein krankhaft erhöhter Cortisolspiegel ohne Stress liegt beim Cushing- Syndrom vor)

  • Vermehrte Infekte wegen gedrosselter Immunabwehr, schlechte Wundheilung, Akne
  • Probleme mit dem Blutzuckerspiegel
  • Gewichtszunahme
  • Erhöhung des Blutdrucks
  • Störungen der Regelblutung bei Frauen
  • Höhere Gefahr von Osteroporose
  • Muskelschwäche, die sich oft beim Treppensteigen bemerkbar macht.
  • Depressionen, Gemütsschwankungen

Nebennierenerschöpfung nach Dauerbelastung

Die Nebennieren können nicht auf Dauer eine Belastung ertragen, die eigentlich nur für akuten Handlungsbedarf gedacht war. Sie erschöpfen sich unter der Belastung und der Cortisolspiegel sinkt. Nun könnte man meinen, dass dies eine Schutzfunktion des Körpers ist um vor negativen Auswirkungen eines dauerhaften erhöhten Cortisolspiels sei, da aber der Cortisolspiegel aufgrund der Erschöpfung unter das normale Maß absinkt, ist dies nicht der Fall. Die Erschöpfung der Nebenniere und das Absinken des Cortisols haben erhebliche gesundheitliche Folgen.

Wenn zu wenig Cortisol im Körper ist

Der Verlust eines normalen Cortisollevels kann zur Entgleisung des Stoffwechsels führen und zur Unfähigkeit Stress und Infektionen auf körperlicher Ebene zu begegnen. Das immer wieder auftretende Muster zu niedrigen Cortisols ist

  • Erhöhtes Östrogen
  • Progesteronmagel
  • Unterzucker und Heißhungerattcken
  • verminderte Fähigkeit, mit Stress umzugehen
  • leichte Depression, wenig Lebensfreude
  • Zittern in Drucksituationen
  • verminderte Libido
  • Allgemeine Müdigkeit und Schwäche
  • Schwierigkeiten, morgens aufzustehen
  • Energieloch am Morgen und am Nachmittag  gegen 15-17 Uhr
  • Schmerzen im oberen Rücken- oder Nackenbereich ohne erkennbare Ursachen
  • verminderte Merkfähigkeit
  • schlechte Konzentration/Kurzzeitgedächtnis
  • Brainfog, vernebeltes Denken
  • Panik-Attacken, Gefühl von drohendem Unheil; Gefühl, sterben zu müssen
  • Erhöhte Empathie
  • verstärkte PMS-Symptome bei Frauen; die Periode ist zunächst stark, lässt dann am 4. Tag fast ganz nach und kehrt wieder am 5. oder 6. Tag (Progesteronmangel)
  • Niedrige IgA, IgG und IgM Werte (Immunsystem)
  • Chronisches Müdigkeitssyndrom
  • Stressintoleranz
  • Einfluss auf die Schilddrüse, Schwierigkeiten bei der Einstellung der SD

Es treten gehäuft Verdauungsprobleme, Allergien, Fibromylagie, schlechte Leberfunktion, abweichendes oder aggressives Verhalten, schwere Infektionen, Autoimmunerkrankungen, rheumatoide Arthritis und Krebserkrankungen auf.

Allgemeine Symptome und Anzeichen

  • Reizbarkeit (Unterzuckerung)
  • emotionale Ausbrüche (erhöhtes Adrenalin aufgrund fehlender Beruhigung des Sympathikus durch Cortisol)
  • dünn, Gewichtszunahme schwierig
  • manchmal Übergewichtigkeit, aufgrund von Heißhunger auf Süßes und Salziges
  • blasse Gesichtsfarbe
  • dunkle Augenringe
  • braune Flecken im Gesicht
  • Medikamentenunverträglichkeit
  • Schmerzempfindlichkeit
  • trockenes, strohiges Haar, trockene Haut
  • niedriger Blutdruck

Tests und Diagnostik

Speicheltagesprofil

Zwar gibt es Bluttests zur Diagnose, hier geben auch Natrium (erniedrigt) und Kalium (erhöht) Hinweise, aber oft bietet sich zur Abklärung des Cortisolspiegels ein Tagesprofil mit einem Speicheltest an.  Da der Cortisolspiegel im Tagesverlauf schwankt ist ein einmaliger Test allerdings nicht aussagekräftig, dagegen ist das Tagesprofil recht verlässlich. Speicheltests sind auch in Kombination mit DHEA an.

Messung der Körpertemperatur

Hinweise auf den Status des Stoffwechsels der Nebennierenrinde kann auch die Körpertemperatur geben. Die Körpertemperatur wird dreimal täglich am besten unter der Zunge gemessen. Eine Temperaturmessung sollte mindestens 20 Minuten nach Essen erfolgen. Auch Trinken, Sport oder andere Beeinflussungen sind zu meiden. Aussagekräftig sind Messungen etwa drei Stunden nach dem Aufwachen und dann alle weiteren drei Stunden. Bei einer Schwäche der Nebennierenrinde zeigt sich meist eine erniedrigte und instabile Temperatur. Teilweise zeigen sich starke Schwankungen in der Körpertemperatur im Tagesprofil.

Ursachen:

  • Psychischer Dauerstress
  • Entzündungen und Infektionen
  • Lebensmittelunverträglichkeiten
  • Toxische Belastungen
  • Pilzerkrankungen
  • Schlafentzug
  • Schichtarbeit oder schlechte Schlafgewohnheit
  • Exzessiver Sport

Was kann man tun?

Schulmedizinisch

Neben den allgemeinen Verhaltenshinweisen (s.u.) gibt es in der Schulmedizin die Möglichkeit mit mikrodosen von Kortison die Nebennieren zu entlasten und dem Körper einen Ersatz zur Verfügung zu stellen. Hierbei wird meist das natürliche Hydrocortison (15-25 mg auf zwei Dosen verteilt) oder alternativ Cortison Acetat (10-20 mg) verwendet. Diese geringen Dosen sind sicher und gewährleisten eine schnelle Entlastung der Nebennieren, die sich bald erholen können. Es kann allerdings nur von ein Arzt verordnet werden, da Kortison ein verschreibungspflichtiges Medikament ist. Der richtige Arzt ist hier ein guter Endokrinologe.

 

Eine andere Option:

0,5%ige Cortisol Creme, 30 g verschreibungsfrei

Dosierung nach Absprache mit dem Arzt, Apotheker oder der Packungsbeilage. Im allgemeinen morgens und mittags 20 g bei leichter Erschöpfung, bzw. Jeweilas 50-60 g bei starker Erschöpfung.

Selbsthilfe und alternative Maßnahmen

 

  • Stressfaktoren beseitigen
  • Schlaf: Sehr wichtig ist es, genügend Ruhephasen zu haben. Gehen Sie abends um 22.00 Uhr zu Bett. Bei längerem Aufbleiben müssen unsere NN noch einmal stark arbeiten, um uns über die Zeit von 23 bis 1.00 zu bringen. Schlafen Sie wann immer möglich bis 8.30 oder 9.00 Uhr morgens.
  • Sportliche Betätigung: eine angemessene regelmäßige Belastung, beispielsweise Yoga oder Krafttraining, wichtig ist hier die Dosierung, keine Überlastung!
  • Ernährung: mehrere kleine Mahlzeiten am Tag um Blutzuckerschwankungen zu vermeiden. Eher Proteine und gesunde Fette als Kohlenhydrate essen. Blutzuckerspitzen können auch durch hohen Ballaststoffanteil gemindert werden. Da in der Nacht der Blutzuckerspiegel nicht aufgefüllt wurde, ist das Frühstück sehr wichtig um das entstandene Energiedefizit zu beseitigen, es sollte vor 10 h eingenommen werden. Stark Kalium haltige Nahrungsmittel sollten eher gemieden werden, Natriumreiche bevorzugt. Ein halber Teelöffel Salz in einem Glas Wasser kann helfen, wenn ein Natriummangel vorliegt.
  • Nahrungsergänzungen:
  1. Vitamin C 1.000–1.500 mg/Tag Vitamin C ist direkt an der Stressregulation beteiligt. Je mehr Cortisol produziert wird, umso mehr Vitamin C wird benötigt.
  2. Vitamin B5 400 mg/Tag 3 x täglich, Pantothensäure ist Teil von Coenzym A und spielt eine zentrale Rolle im Energie Metabolismus.Ebenso ist es notwendig für die Synthese der Steroidhormone insbesondere Cortisol und Vitamin D.
  3. Vitamin B3, B6, B12
  4. Vitamin D
  5. Vitamin E
  6. Magnesium 400 mg/Tag
  7. Zink 15 mg/Tag
  8. Selen
  9. Tyrosin 1.000 mg/Tag
  10. Lysin 1000 – 2000 mg/ Tag

Es werden auch immer wieder Adaptogene wie Ginseng oder Ashwaganda angeführt. Allerdings raten einige Quellen hier zur Vorsicht, da unter Umständen ein kurzfristiger Effekt die Anregung der Cortisolproduktion ist, die zu einer exzessiveren Erschöpfung führen kann. Daher hier nur dieser Hinweis.

Außerdem wird Lakritz, bzw. Süßholzwurzel empfohlen, denn es hemmt das Cortisol abbauende Enzym in der Leber.

7-keto-DHEA

Bei niedrigem DHEA-Spiegel kann man morgens 10-25 mg 7-Keto-DHEA nehmen. Es hat im Gegensatz zum DHEA den Vorteil, dass es nicht in Sexualhormone umgewandelt wird und somit eine Östrogendominanz nicht verstärkt.

Cortisol, Östrogen und Progesteron

Cortisol, Östrogen und Progesteron beeinflussen sich gegenseitig. Dies führt zu negativen Auswirkungen und einem umfassenden Krankheitsbild, wenn der Cortisolhaushalt entgleist. Östrogen hemmt die Cortisolsynthese über Beeinflussung von Enzymaktivität. Dadurch verstärkt es einen Cortisolmangel zusätzlich. Dies wiederum führt zu weiteren hormonellen Imbalancen (auch im Bereich der Schilddrüse, insbesondere, da Östrogen und Cortisol Einfluss auf Umwandlung und Wirksamkeit der Schilddrüsenhormone nehmen). Da Progesteron eine Vorstufe bei der Synthese von Cortisol ist, wird im fortgeschrittenen Stadium ein Progesteronmangel begünstigt, insbesondere, wenn es zu Defiziten bei den Pregnenolonen kommt. Da diese aber auch eine Vorstufe des Östrogen sind ist eine durchaus mögliche Substitution mit Vorsicht zu betrachten, wenn Östrogen erhöht ist. Oft wird bei Nebennierenschwäche Östrogendominanz mit all ihren negativen Auswirkungen beobachtet.

Cortisol und Schilddrüsenerkrankungen, Hashimoto

Für die Umwandlung von T4 in die aktive Form der Schilddrüsenhormone T3 neben Selen, Zink und Eisen auch Cortisol benötigt. Ist Cortisol in der erforderlichen Menge vorhan-

den, verläuft die T4/T3-Umwandlung optimal. Auf Zellebene beeinflusst Cortisol die Verwertbarkeit der Schilddrüsen-Hormone in positiv. Daher ist einsichtig, dass es bei Störungen in der Cortisolproduktion zu Störungen im Bereich der Schilddrüse kommt. So kann es dazu kommen, dass durch Verwertungsstörungen Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion entstehen, die Behandlung mit Schilddrüsenhormonen nicht den gewünschten Erfolg zeigt oder die Hormone schlechter vertragen werden. Die Einschätzung über die Blutwerte T4 und T3 ist dann schwierig. Ein guter Endokrinologe wird daher zunächst den Cortisolmangel behandeln und dann die Schilddrüsenhormonsubstitution vornehmen.

Cortisolmangel kann Betroffene anfällig für Autoimmunerkrankungen machen. Über die entzündungshemmende Wirkung von Cortisol werden Immunreaktion im Körper gesteuert, fällt dies weg, werden Autoimmunprozesse wie die Hashimotothyreoditis gefördert.

 

Anmerkung:

Hier wurde auf die Bedeutung der Nebennierenermüdung eingegangen. Dies ist abzugrenzen von Gewebeschäden wie bei der Addisonerkrankung.

 

Quellen:

http://www.dr-schulte-uebbing.de/inhalte/doku/comed_hormonsubstitution.pdf

https://www.steierl.de/download/WebinarNNRInsuffizienz.pdf

https://www.kit-online.org/sites/kit.hoody.de/files/acc/KIT-Cortisolmangel.pdf

https://www.kit-online.org/acc/KITInfo-NN-SD-Symptome.pdf

https://academic.oup.com/jcem/article-abstract/66/2/343/2653836

http://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/00207450590956459

https://www.spectracell.com/media/uploaded/2/0e2016801_266fullpaper2009altmedrevnutrientsforthetreatmentofstressfatigueandinsomnia.pdf

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1749-6632.1998.tb09607.x/full

http://digitalrepository.aurorahealthcare.org/cgi/viewcontent.cgi?article=1006&context=integrative

http://file.scirp.org/pdf/OJD_2017072814450184.pdf