Vitamin D, was hat das mit Autismus zu tun?

Vitamin D spielt eine Rolle bei Autismusspektrumstörungen

 

Gleich vorweg, ich höre schon die Unkenrufe, nein, Vitamin D Mangel ist nicht die Ursache für Autismus und nein mit Vitamin D kann man auch Autismusspektrumstörungen nicht heilen. Aber, doch gibt es interessante Studien über den Zusammenhang zwischen Vitamin D und Autismus und über positive Auswirkungen einer ausreichenden Vitamin D Versorgung und negative eines Mangels.Vitamin D ist eines der in den letzten Jahren best erforschten Vitamine überhaupt. Schon lange kennt die Orthomolekulare Medizin gerade im psychiatrischen Bereich einen Zusammenhang zwischen Symptomen und Vitaminmangel, sowie Besserung der Symptome durch Supplementation. Mehrere Studien haben diesen Ansatz für Vitamin D unter die Lupe genommen.

 

Autisten haben niedrigeren Vitamin D Spiegel

 

Eine Studie zeigte, dass Kinder mit Autismus Spektrum Störung auffällig niedrigere Vitamin D Spiegel aufwiesen, als neurotypische Vergleichs Kinder.

64 Kleinkinder mit Entwicklungsverzögerung nahmen an der Studie teil. Bei der Erstbewertung wurden die Fälle einer psychiatrischen Untersuchung und Entwicklungsuntersuchungen unterzogen. Vitamin D, GDNF und NGF wurden beobachtet. Patienten mit niedrigem Vitamin D-Spiegel erhielten Vitamin D. Sechs Monate später wurden die gleichen Überprüfungen wiederholt. Es zeigten sich deutliche  Fortschritte bei autistischen Symptomen und Entwicklungs-Scores in  der mit Vitamin D Gruppe.

Eine weitere Studie untersuchte wurden 215 Kinder mit Autismus Spektrum Diagnose und 285 gesunden Kontroll Kinder. 33 von 215 Kindern im Spektrum erhielten Vitamin D3. Mittels Testverfahren wurden die autismusspezifischen Verhaltensweisen vor und 3 Monate nach Gabe des Vitamin D3 überprüft. Auch hier zeigte sich, dass der Serumspiegel von Vitamin D bei Autisten niedriger war, als bei neurotypischen Kindern. Je niedriger die Vitamin D Versorgung, desto auffälliger waren die autistischen Verhaltensweisen. Nach der Vitamin-D3-Supplementierung wurden die Symptome erheblich reduziert. Ein weiteres Ergebnis war, dass die Besserung um so auffallender, je jünger die Kinder waren.

 

Vitamin D prüfen und supplementieren verspricht Hilfe

 

Eine weitere Studie bestätigt diese Ergebnisse und fand bei 57% der autistischen Probanden leichten bis schweren Vitamin D Mangel. Je niedriger der Vitamin D Spiegel desto ausgeprägter die autistischen Verhaltensweisen. Die Studie arbeitete mit 300 IE / kg / Tag nicht mehr als 5000 IE / Tag Vitamin D3. 80,72% Kinder die Vitamin D3-Behandlung erhielten hatten nach der Behandlung verbesserte Ergebnisse in den Bereichen die Verhalten, Stereotypie, Blickkontakt und Aufmerksamkeitsspanne.

 

Wie und warum hilft Vitamin D Kindern mit Autismus?

Die kurze Antwort ist, man weiß zum jetzigen Zeitpunkt, dass es hilft, aber nicht genau wie und warum. Es gibt einige plausible Erklärungsmodelle und wahrscheinlich ist der Ansatz multifaktoriell.

  1. Wie alle Steroidhormone wirkt Calcitriol als molekularer Schalter und aktiviert viele Zielgene über den Vitamin D Rezeptor (VDR). Viele Organe des Körpers verfügen über solche Rezeptoren, einschließlich zahlreichen Bereichen des Gehirns. Eine genetische Disposition für weniger dieser VDR rezeptoren in Kombination mit einem Vitamin D mangel könnte ein Risikofaktor bei der Genese von Autismus sein. Insbesondere bereits während der Schwangerschaft, wenn die für die Gehirnentwicklung entscheidenden Monate, letztes Trimester, im Winter liegen.
  2. Ein anderes genetisches Risiko könne bei den Cyp450 liegen. Enzyme, welche für die Aktivierung des Vitamin D entscheidend sind.
  3. Zusätzlich vermutet man jedoch, dass die zahlreichen genetischen Mutationen, die man bei autistischen Kindern bisher für multifaktoriell und ursächlich angenommen hat, durch einen Vitamin D Mangel begünstigt sein könnten, da Vitamin D Funktionen steuert, die das Erbgut schützen und reparieren. Diese Funktion ist bei einem Mangel nicht hinreichend gegeben, was die vielen Mutationen erklären könnte.
  4. Ein weiterer Erklärungsansatz für die Wirkung von Vitamin D bei autistischen Kindern ist die immunregulatorische Wirkung von Vitamin D. Während bei autistischen Kindern mannigfaltig verschiedenste Entzündungsmarker und Prozesse nachgewiesen wurden, hat Vitamin D vielfältige immunregulatorische und entzündungshemmende Wirkungen, die dem entgegenwirken. Einige davon betreffen insbesondere das Gehirn.
  5. Oft werden alternativmedizinisch bei Autismus Maßnahmen der Entgiftung und der Einsatz von Antioxidantien Empfohlen. Eine entscheidende und Vitamin D abhängige Rolle spielt hier unter anderem Glutathion, denn Vitamin D erhöht im Glutathion-Zyklus über Calcitriols die γ-Glutamyl-Transpeptidase, die am Glutathion-Metabolismus beteiligt ist. Sie wird benötigt um verbrauchtes Glutathion wieder herzustellen. Kinder mit Autismus weisen oft niedrige Spiegel von Glutathion insbesondere im Gehirn auf. Glutathion wird insbesondere bei der Entgiftung von Metallen, einschließlich von Schwermetallen benötigt. Es schützt die Nervenzellen und ist ein bedeutender Stoff im Körper, der oxidativen Stress bekämpft (Antioxidans). Über diesen Mechanismus kann Vitamin D entscheidend bei der Entgiftung und dem Schutz der Nervenzellen helfen.
  6. Weitere Ergebnisse sollen hier nur erwähnt sein. Vitamin D zeigte sich auch im Einsatz gegen Epilepsie als hilfreich, welche in ca. 25% der Fälle comorbid mit Autismus ist.
  7. Ein Schutzmechanismus wird auch über den Schutz der Mitochondrien vermutet. Bisher fehlen aber hinreichende Studien zu der Rolle von Mitochondriopathien bei Autisten, so dass dieser Vermutung im allgemeinen näher nachgegangen werden müsste.

 

Fazit

 

Auch wenn nicht klar ist, was genau Ursache oder Wirkung in diesem komplexen Zusammenspiel ist und ebenso nur hypothetisch, wie Vitamin D hilft, ist der Beweis dass es hilft, genug im mindestens eine Überprüfung des Vitamin D Status bei Schwangeren, insbesondere in den Wintermonaten und gegebenenfalls Ergänzung vorzunehmen. Ebenfalls ist es sinnvoll bei Kindern mit bekanntem Risiko, Verdacht auf Autismus Spektrum Störung, festgestellter Autismus Spektrum Störung und bei Symptomen eines Vitamin D Mangels eine Überprüfung und Supplementierung zu rechtfertigen, um Störungen und Schäden einzugrenzen und Leiden der betroffenen zu mildern. Auf die allgemeinen Empfehlungen zur Kombination von Vitamin D, Vitamin K2 und Magnesium sei hier der Vollständigkeit halber hingewiesen.

 

Quellen:

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