Kurzkettige Fettsäuren im Kampf gegen Autoimmunerkrankungen

Eine Studie zeigte Nahrung und Darmbiose haben Einfluss auf entzündliche Prozesse der Multiplen Sklerose.

Der Lebensmittelzusatzstoff, Natrium – Propionat, zeigt Wirkung

Im Forschungsfokus: Fettsäuren

Das menschliche Verdauungssystem mit seiner bakteriellen Besiedelung ist zunehmend Bestandteil gesundheitlicher Forschung. Besonders bei neurologischen Erkrankungen, zum Beispiel, multipler Sklerose. Hier gibt es eine wachsende wissenschaftliche Bestätigung, dass das Mikrobiom des Verdauungssystems den Krankheitsausbruch und den weiteren Verlauf signifikant beeinflussen kann. In einer Untersuchung der Neurologischen Kliniken der Ruhr-Universität Bochum (St. Josef Krankenhaus) mit der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen haben Forscher herausgefunden, dass langkettige Fettsäuren die Vermehrung und Expansion von entzündlichen Zellen im Darm vorantreiben. Interessanterweise veranlassen kurzkettige Fettsäuren die Anordnung und Ausbreitung von regulatorischen Zellen im Darm, wie Prof. Dr. med. med. Aiden Haghikia und Prof. Dr. med. Ralf Linker in der Zeitschrift “Immunity” publizierten.



Darmbakterien und ihre bedeutende Rolle

Die Kommunikation, zwischen den Substanzen des Verdauungstraktes und dem dort befindlichen Immunsystem, unterliegt verschiedenen Einflussfaktoren. Ein entscheidender Faktor ist selbstverständlich die Ernährung. Kurzkettige Fettsäuren (Short Chain Fatty Acids – SCFA) sind Fettsäuren, deren Ketten nicht mehr als sechs Kohlenstoffatome enthalten. Sie werden durch die im Darm lebenden Bakterien und ihren Stoffwechsel aus faser- und ballaststoffreicher Kost gebildet. Je mehr faser- und ballaststoffreiche Nahrung wir zu uns nehmen, desto mehr kurzkettige Fettsäuren sind im Darm vorhanden. Empfohlen wird ein Ballaststoffanteil der Nahrung von 30 g, den jedoch kaum jemand mit seiner heutigen Ernährung erreicht. Kaum etwas hat sich in den letzten Jahrzehnten so stark verändert wie die Nahrung in den Industrieländern. Somit muss man nach Möglichkeiten suchen negative Veränderungen in der Nahrung zum Positiven für die Biose und die Gesamtgesundheit zu beeinflussen. Die meisten kurzkettigen Fettsäuren, die etwa 95 % der Fettsäuren im menschlichen Körper ausmachen, sind:

  • Essigsäure (Azetat, 2 Kohlenstoffatome)
  • Propionsäure (Propionat, 3 Kohlenstoffatome) und
  • Buttersäure (Butyrat, 4 Kohlenstoffatome).

Kurzkettige ungesättigte Fette können Entzündungen zurückdrängen

Die Art und auch die Funktion der Immunzellen werden von den Darmbakterien beeinflusst. Das das Immunsystem des Darms hat entzündungsfördernde als auch entzündungshemmende Mechanismen. Die vorliegende Untersuchung zeigte, dass langkettige ungesättigte Fette die Ausbreitung von entzündungsfördernden Prozessen im Darm vorantreiben. Umgekehrt führen kurzkettige ungesättigte Fette, insbesondere Propionsäure (oder deren Salzpropionat), zur Entstehung regulatorischer T-Zellen, eine Untergruppe der weißen Blutzellen, die zur Immunregulation dienen. Diese können sowohl entzündliche Reaktionen als auch autoreaktive Zellen die das körpereigene Gewebe schädigen, unterdrücken.

Metabolische Produkte der Bakterien sind entscheidend

In keimfreier Darmumgebung sind diese Ergebnisse nicht zu erzielen. Daraus ergibt sich ein Zusammenhang des Mikrobioms bei der Entfaltung der Wirkung der Fettsäuren.Die Ergebnisse sprechen dafür, dass die Stoffwechselprodukte der Bakterien den entscheidenden Faktor bilden.Lösliche Ballaststoffe werden von den im Darm lebenden Bakterien fast komplett zu kurzkettigen Fettsäuren wie Propionat und Gasen abgebaut. Inulin ist ein solcher löslicher Ballaststoff. Aber auch die direkte Aufnahme von Propionat ist wirksam, denn Menschen sind in der Lage kurzkettige Fettsäuren aus der Vorstufe Propionat zu bilden. Wer wenig Ballaststoffe zu sich nimmt, könnte künftig durch Propionat seine Gesundheit stärken. Unlösliche Ballaststoffe haben nach Forschungsergebnissen hingegen keinen Einfluss auf die Fettsäurespiegel.



Darm und Gehirn eine Allianz, unterstützt oder gestört durch Bakterien

Welche Vorteile kann man aus diesem Wissen ziehen?

Bei derzeitigen Behandlungen für autoimmune und chronisch entzündliche Erkrankungen setzen die meisten Stoffe auf eine Hemmung der proinflammatorischen Faktoren. Die Stärkung der regulierenden Zellen, zum Beispiel mit Propionat, könnte eine bessere Behandlung bedeuten.
Natrium Propionat ist bereits lange als Nahrungsmittelzusatzstoff zugelassen und wurde früher zur Konservierung von Brot eingesetzt. Es ist als Nahrungsergänzungsmittel, sowie als Mittel in der Tiermedizin/ Tierfuttermittel erhältlich.
Die tägliche Dosis wird mit 500 mg zweimal täglich angegeben.

 

Es gibt Hinweise, dass kurzkettige Fettsäuren auch bei Diabetes Typ II und anderen autoimmunen Prozessen hilfreich sind. Hierzu bedarf es weiterer Studien.

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Quellen:

http://www.dife.de/presse/pressemitteilungen/?id=1388
http://www.cell.com/immunity/fulltext/S1074-7613(15)00392-1