Reizmagen, Sodbrennen und Reflux

Seltenst liegen Ursache und Wirkung von Reizmagen, Sodbrennen und Reflux Ösophagitis tatsächlich im Bereich des Magens. Und auch die Auswirkungen sind erstaunlich systemisch und weitreichend.

Ein Geheimnis hinter dem Reflux




Der Mageneingang schließt besser, wenn im Magen viel Magensäure gebildet wird. Dies ist eine Art Rückkopplung. Wenn der Muskel am Mageneingang einen niedrigen Tonus hat, kann leicht Megeninhalt in die Speiseröhre gelangen und zu Sodbrennen führen.

Welche Faktoren führen zu den Problemen?

Jeder kennt Sodbrennen durch Stress

Viele Faktoren nehmen Einfluss auf die Bildung von Magensäure. Ein entscheidender Einflussfaktor ist Stress! Warum? Stress aktiviert den Körper für die Fluchtreaktion und entzieht den Verdauungsorganen Energie und Blutfluss um diesen für die Fluchtreaktion in die Muskulatur des Bewegungssystems zu pumpen. Somit kann Verdauung während einer Stressreaktion nicht geordnet stattfinden.

Sodbrennen durch Energiemangel/ Erschöpfung

Die Magensäure ist extrem ätzend! Der Körper braucht ein hohes Maß an Energie um diese so herzustellen. Unvorstellbare 1500 kcal. werden benötigt um nur einen Liter dieses Magensafts herzustellen. Daher wird es nun einsichtig, wenn der Körper erschöpft ist, dass der Körper ebenfalls Probleme bekommt ausreichend Magensäure herzustellen. Das ist der Grund, warum Erschöpfungssyndrome, Depressionen, Burnout oft von Magenproblemen begleitet werden.
Ein anderer wichtiger Faktor zur Bildung der Magensäure sind Kofaktoren, die bei der Bildung von Magensäure benötigt werden. Allen voran steht hier Zink. Bei Zinkmangel kann nicht ausreichend Magensäure produziert werden.

Polymorphismen

Es gibt genetische Polymorphismen, die eine Fehlfunktion des Magens aus verschiedensten Gründen begünstigen. Diese sind Polymorphismen der MTHFR, MTR, MTRR, BHMT, PEMT, and CBS- Gene. Sie erhöhen Stress und Entzündungsreaktionen im Körper und stören gegebenenfalls die Mitochondrien. Die Polymorphismen in ACE, AGT, ADD1, COMT, MAO beeinflussen ebenfalls über eine erhöhte Stressvulnerabilität. Auch bei Therapieversagen der üblichen Therapie mit Protonenpumpenhemmern (s.u.) liegt ein Polymorphismus im CYP2C19*17-Allel vor. Träger dieses Polymorphismus weisen eine stärkere Verstoffwechselung dieses Medikaments auf.

Hypoglykämie/ Blutzuckerschwankungen

Viele Menschen leiden unter periodischem niedrigem Blutzucker, also erheblichen Blutzuckerschwankungen. Sehr negativ sind hier die weit verbreitet empfohlenen Traubenzucker, da sie zu einem schnellen Anstieg und ebenso einem schnellen Abfall des Blutzuckerspiegels führen. Komplexe Kohlenhydrate sind daher zu bevorzugen. Starker Abfall des Blutzuckers verursacht Stress im Körper, denn er stellt eine Gefahr für den Körper, insbesondere das Gehirn da. Jedoch noch mehr, der Glukagonspiegel steigt, was zu einer Verminderung der Magensäureproduktion führt und zu einer gestörten Verdauung.
Außerdem setzt der Körper Epinephrin frei um niedrigem Blutzucker zu begegnen, was zu chronischen Entzündungen im Körper führt. Dies ist auch ein Hinweis für Sportler, wenn das Training zu erschöpfend ist, kann es zu ähnlichen Effekten und Verdauungsproblemen führen.

Medikamenteninduzierte Problematik

  • Schmerzmittel/ Entzündungshemmer (Aspirin, Naproxen, Diclofenac, Ibuprofen, u.a. Wirkung auf die Prostaglandine, Schleimhautschutz),
  • Antibiotika (insbesondere Tetrazykline sind lokal reizend. Gründe dafür sind einerseits der Säuregehalt der Tetrazykline, andererseits ihre zellzerstörende Funktion Sie können daher die Schleimhaut der Speiseröhre und des Magens reizen und eine lokale Entzündungsreaktion hervorrufen),
  • Antidepressiva (Amitryptilin, Doxepin)
  • Opiate (Sufentanil, Remifentanil, Fentanyl, Hydromorphin, Levomethadon, Morphin, Oxycodon, Codein und Tramadol, Wirkung auf den Schließmuskel)
  • Statine (Cholesterinsenker),
  • Anticholinergika (Darifenacin, Solifenacin, Butylscopalamin, Wirkung auf den Schließmuskel)
  • Kalziumkanal-Blocker (Nifedipin, Nitrendipin, Nicardipin, Amlodipin, Diltiazem, Verapamil oder Gallopamil)
  • Nitropräparate

Andere organische Ursachen





Es gibt seltenere organische Ursachen, wie ein Zwerchfellbruch oder verschieden Arten von Tumoren, neurologische Störungen des Magens und andere. Diese sind nicht Gegenstand der hier gemachten Überlegungen.

Schulmedizinische Behandlung und ihre Folgen

Die gängigste Methode Reflux und Sodbrennen zu behandeln sind Protonenpumpenhemmer. Dies führt jedoch zu Problemen mit dem Körper, weil es die Magensäureproduktion erst recht reduziert. Der Körper versucht dagegen zu arbeiten! Nebenwirkungen sind Massive Störungen der Verdauung, Infektionen, Mangel an Vitamin B12, Gastritis und Magengeschwüre, SIBO, Osteoporose…

SIBO, bakterielle Fehlbesiedlung des Dünndarms

Die Verminderte Bekämpfung von Bakterien führt zu einer Fehlbesiedlung im Dünndarm kommen (SIBO), ja sogar zu Infektionen der Atemwege, bis hin zu Lungenentzündung, da Keime von dort im Schlaf inhaliert werden. Die wichtigsten SIBO-Diagnose-Metho­den sind Wasserstoff- und Methan-Atemtest un­ter Verwendung von Glukose oder Laktulo­se. Der Goldstandard bleibt das Jejunum-Aspirat. SIBO verstärkt wiederum die Refluxsymptome.

Osteoporose

Osteoporose ist eine Langzeitfolge, da Mineralstoffe nicht angemessen aufgenommen werden können ohne Magensäure und gut funktionierende Gallenfunktion. Eine Übersäuerung des Körpers steht in engem Zusammenhang damit, dass der Körper Mineralien, insbesondere Kalzium nicht angemessen aufnehmen kann.

Vitamin B12 Mangel

Die Verhinderte Aufnahme von B12 über den Magendarmtrakt führt zu Erhöhung von Homocystein, zu Blutarmut, zu neurologischen Störungen und zu sekundärem Folsäuremangel. Die Aufnahme von Vitamin B12 ist vermindert, durch die Verringerung des sogenannten Intrinsic Faktors, der von den gleichen Zellen gebildet wird, wie die Magensäure.

Hyperparathyreoidismus

Hyperparathyreoidismus durch verminderte Magensäure, entsteht durch das gestörte Kalzium Gleichgewicht. Der sekundäre Hyperparathyreoidismus ist – wie die primäre Verlaufsform – durch eine erhöhte Konzentration von Parathormon im Blut gekennzeichnet. Allerdings tritt die Überproduktion als Folge dauerhaft erniedrigter Kalziumwerte auf, da dies die Bildung von Parathormon steigert. Dies kann zu Problemen mit der Knochenmineralisierung verursachen. Hier findet sich wiederum ein Zusammenspiel mit dem Vitamin D Spiegel. Beim hier vorliegenden intestinalen Hyperparathyreoidismus entspricht die Symptomatik oft der eines Vitamin D-Mangels.

Alternative Möglichkeiten




Stressreduktion

Hier empfehlen sich psychoedukative Methoden und Entspannungsverfahren wie autogenes Training und Muskelrelaxation, ebenso wie Verhaltenstherapie.
Yoga, Qi Gong und Thai Qi sind Energie ausgleichende und Stress abbauende Praktiken der östlichen Weisheiten.
Binaurale Beats sind ein moderner Weg über Beeinflussung der Hirnströme Stress abzubauen.
Sport in angemessenem Maß reduziert Stress Botenstoffe ebenfalls.

Betain HCL

Betain ist eng verwandt mit Cholin. Zusammen mit Folsäure und Vitamin B12 senkt es Homocystein im Blut. Es regt die Magensäureproduktion an. Tabletten werden zu den Mahlzeiten genommen, wobei die Erhaltungsdosis 3000 mg täglich beträgt und die Therapeutische Dosis 6000 mg.

Pepsin

Pepsin ist ein natürliches Enzym, das in den Mägen von Wirbeltieren vorkommt und aus verschiedenen Proteasen besteht. Pepsin wird aus Pepsinogen, einer inaktiven Vorstufe, mit Hilfe von Salzsäure in der Magenschleimhaut gebildet. Es wird bei einem Mangel von Pepsin und Salzsäure im Magen ergänzt. Es spaltet und baut komplexe Eiweiß-Verbindungen ab. Seine Wirksamkeit wird durch Salz-, Milch- und Citrussäuren erhöht.
Eine Pepsin-Dosis von etwa 100 mg pro Mahlzeit bzw. 290 mg täglich wird zu den Mahlzeiten eingenommen.

Süßholzwurzel (DGL)

Genutzt wird der Extrakt aus entglycyrrhizinierter Süßholzwurzel, oder DGL, da dadurch die Nebenwirkungen der Glycyrrhizinsäure (Bluthochdruck, Ödeme oder Kopfschmerzen) vermieden werden können. Süßholz wird seit hunderten von Jahren erfolgreich zur Behandlung von Magengeschwüren verwendet. Es besitzt erhöht, die Produktion von Prostaglandinen in den Endothelzellen des Magens, was einen zellschützenden Effekt auf die Magenschleimhaut zur Folge hat. Auch zeigen Tierversuche, dass es die Produktion von Entzündungsmolekülen, wie Interleukine oder der Tumor-Nekrose-Faktor hemmt. Tagesdosis ca. 3000 mg.

L- Glutamin

Glutamin ist eine Aminosäure und fördert die Heilung der Schleimhäute im Magen und Duodenum. Die empfohlene Tagesdosis beträgt 1000 – 1500 mg.

Arabinogalactan

Lärchen-Arabinogalactan wird aus Lärchenholz (Larix) gewonnen und besteht zu etwa 98
% aus Arabinogalactan.
Es dient als Ballaststoff, Immunstimulanz und mindert Entzündungsprozesse im Körper. Es beeinflusst die Darmflora positiv und fördert die Entstehung kurzkettiger Fettsäuren.
Die Dosierung erfolgt in Pulverform, wobei die Konzentration pro Esslöffel etwa 4-5 g beträgt. Die übliche Dosis für Erwachsene liegt bei 1-3 Esslöffeln über den Tag
verteilt, für Kinder bei 1-3 Teelöffeln pro Tag. Das Pulver wird mit Wasser oder Saft gemischt.
In mehreren Studien wurden keinerlei erhebliche Nebenwirkungen beobachtet, allenfalls Blähungen.

Kurzkettige Fettsäuren im Kampf gegen Autoimmunerkrankungen

Zink

Wie bereits beschrieben ist Zink für die Bildung von Magensäure notwendig, aber auch Entzündungen insbesondere auch der Schleimhäute heilen durch Zink besser ab. Hier beträgt die Tagesdosis je nach Ausgangslage 10 -20 mg.

Antioxidantien

Vitamin D3 + K2

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Quellen:

https://pubs.acs.org/doi/pdf/10.1021/mp4003738
http://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/07315724.2001.10719048